Maschenprobe stimmt nicht – was tun ?

Ob Anfänger oder Profi, die Maschenprobe ist oft schon das erste Hindernis beim Stricken eines Oberteils.
Kommt sie hin, oder nicht … fast wie ein Glücksspiel.
Es ist ja meistens so, dass man sich für ein Projekt ein bestimmtes Garn in den Kopf gesetzt hat, das von der Stärke her eigentlich geeignet wäre … und dann stimmt die Maschen- oder die Reihenzahl nicht. Oder beides.

Damit es doch was wird mit dem Garn und der Anleitung, beschreibe ich dir,
was ich mache im Fall einer nicht ganz willigen Maschenprobe.

Als Grundlage nehme ich die Daten meiner Anleitung „Oktoberkind“,
einem Raglanpullover von oben nach unten, gestrickt mit Wolle in DK-Stärke.

Oktoberkind Pullover

Die Anleitung findest du auf Ravelry



Für die kommenden Erklärungen brauchen wir die wichtigsten Angaben, das sind:

GRÖSSEN
XS (S, M1, M2, L, 1X, 2X, 3X, 4X, 5X)
Brustumfang des fertigen Pullovers:
91 (96, 102, 107, 113, 122, 127, 136, 147, 156) cm.
In den Angaben sind schon 6-8 cm getragene zusätzliche Mehrweite eingeplant.

und ganz wichtig die
MASCHENPROBE
22 M x 30 R = 10 x 10 cm im Muster Glattrechts mit Nadeln 3,75 mm, nach dem Spannen.

 So mache ich das:

SCHRITT 1 – Ich mache eine Maschenprobe mit der angegebenen Nadelstärke und sie fällt anders aus.

Zuerst versuche ich noch, an der Nadelstärke etwas zu ändern.

Sollte ich MEHR Maschen auf 10 cm haben, also etwa 23 M, versuche ich es mit einer Nadelstärke größer, das wäre 4,0 mm.
Sollte ich WENIGER Maschen auf 10 cm haben, also 21 M, nehme ich eine Nadelstärke kleiner, das ist 3,5 mm.

Wenn das funktioniert, stimmen schon mal die Maschen, ich muss aber bei den Reihen aufpassen! Dazu mehr weiter unten.

Voraussetzung für eine andere Nadelstärke ist allerdings, dass das Strickbild nicht zu fest oder zu locker wird!
Es nützt nichts, wenn du die Maschenprobe erreichst, das Ganze aber zu bockig oder zu löchrig ist.

 

SCHRITT 2 – Ich kann nicht auf eine andere Nadelstärke umsteigen, sondern muss/möchte bei meiner bleiben.

Wenn ich meine Größe durch die falsche Maschenprobe nicht stricken kann, ist die Überlegung, welche andere Größe in Frage kommt. Das geht folgendermaßen:

Angenommen meine Maschenprobe ist 23 M x 30 R
und ich hätte eigentlich Größe M1 (fertige Brustweite 102 cm) stricken wollen.

In der Anleitung schaue ich nach, wie viele Maschen für den Brustumfang angegeben sind. 
Laut Anleitung auf Seite 5, bei „Teilung von Ärmel und Body“ steht für
Größe M1 224 M.
Ich rechne diese Zahl zuerst durch die Original-Maschenprobe und dann mit meiner.
Danach suche ich, welche Größe dafür passt.

MEHR Maschen als die Original-Maschenprobe –
mögliche Größe größer
WENIGER Maschen als die Original-Maschenprobe –
mögliche Größe kleiner


Anmerkung: ich rechne, weil es damit einfacher ist, die Maschenprobe (MP) immer gleich durch 10, also 22 durch 10 = 2,2.

Berechnung:
Maschenzahl lt. Anleitung            224 M
Original-Maschenprobe                 22 M
         = 224 : 2,2 = 101,82 cm

diese Zahl wird jetzt mit meiner MP multipliziert:
= 101,82 x 2,3 = 234 M

Ich brauche daher bei der Brustweite gesamt um 10 M mehr als angegeben (234 – 224 = 10).

Im nächsten Schritt schaue ich in der Anleitung, welche Größe in etwa diese Maschen hat.
Das wäre in diesem Fall gleich die nächste, M2, mit 236 M.

Dass zwei Maschen mehr für die gesamte Brustweite sind, kann man entweder vernachlässigen oder ich nehme die zwei Maschen nach dem Verbinden von Vorder- und Rückenteil gleich wieder ab.

Wichtig: Bei den Angaben für die Maschen der kompletten Brustweite auch darauf aufpassen, in welchem Muster sie gestrickt sind und entsprechend die dafür angegebene MP verwenden!

Jetzt aber noch zu einem weiteren Punkt, auf den ich persönlich sehr aufpasse!
Es ist nicht nur die Brustweite, nach der ich mich richte, sondern auch der Anfang, sprich die Ausschnittmaschen.
Wenn es oben nicht passt, nützt die ganze richtige Brustweite nix.

In diesem Fall werden für meine ursprüngliche Größe M1 folgende Maschen angeschlagen:
für den Rücken 50 M, für das Vorderteil 58 M und für die beiden Ärmel jeweils
18 M.

Was ich stattdessen brauche, berechne ich genauso wie die Brustweite, daher
Rücken – 50 : 2,2 = 22,7 cm
                  22,7 x 2,3 = 52,3 = 52 M

Vorderteil – 58 : 2,2 = 26,4 cm
                      26,4 x 2,3 = 60,6 = 60 M
(Zahl sollte wie die ursprüngliche gerade sein)

Ärmel – 18 : 2,2 = 8,2 cm
               8,2 x 2,3 = 18,8 = 18 M (ich würde hier bei 18 bleiben)

Wenn ich mir jetzt die nächste Größe M2 anschaue, die vom Brustumfang her passt, kann ich kontrollieren, ob es auch oben so ist.
Laut Anleitung wären das: Rücken 52 M, Vorderteil 60 M und Ärmel 18 M.

Perfekt! Ich kann also problemlos die Größe M2 stricken.

Nach diesem Prinzip kannst du dir also recht gut ausrechnen, auf welche Größe du ausweichen kannst.
Das funktioniert genauso, wenn du weniger Maschen als angegeben hast und du eine kleinere Größe stricken musst.

WICHTIG: Bei all den Möglichkeiten bitte nicht übersehen, dass ein Größenwechsel nach oben auch mehr Garn verbraucht! Du musst dann die Garnangaben für die jeweilige Größe nehmen.


EIN PAAR FRAGEN ERGEBEN SICH TROTZDEM NOCH:

Was ist, wenn die Maschenzahl nicht genau hinkommt und ich zwischen zwei Größen bin?

Es wird nicht immer sein, dass man so eindeutig auf eine andere Größe wechseln kann. Dabei können die Berechnungen wie oben aber genauso helfen.

Beispiel wie oben nur mit MP 24 M:
= 101,82 x 2,4 = 244,4 = 244 M

Nach der Anleitung wäre das zwischen Größe M2 (236 M) und L (248 M).
Nachdem die Zahl näher zu Größe L ist, würde ich diese Größe nehmen, die gedachte Mehrweite des Designs von „nur“ 6-8 cm ist auch nicht so groß, dass es zu breit wird.
In dem Fall würden die 4 Maschen mehr über die Gesamtweite insgesamt nur knapp 1,5 cm mehr ausmachen.
Nehme ich Größe M2 würden mir wiederum 8 M fehlen, die sie um 3 cm enger machen würden.

Es kommt natürlich immer auf deine Vorlieben an und ist eine persönliche Entscheidung!

Was ist, wenn ich zwar eine Größe für die Brustweite finde, aber die oberen Maße nicht passen?

Bei dieser Möglichkeit gilt es abzuwägen bzw. so mache ich das, auszuprobieren.
Wenn angenommen, wie im Beispiel oben, Größe L brustmäßig passt, aber oben die Maße erst bei der nächstgrößeren 1X, muss man schauen, um wie viele Maschen es sich handelt und wie weit der Ausschnitt ist.

Beim Oktoberkind etwa ist der vor dem Anstricken des Halsbündchens recht weit, man könnte man bei der Größe L bleiben. Ist er dagegen schon beim Maschenanschlag enger, wäre die Überlegung doch noch eine Größe hinauf zu gehen und notfalls bei den Zunahmen für die Brustweite etwas einzusparen.

Mit ausprobieren meine ich, in dem Fall die Größe, die brustmäßig stimmt, anzuschlagen und ein paar Reihen (5-10) zu stricken und dann zu messen. Kommt es hin, stricke ich weiter. Wenn nicht und es wäre oben doch die größere Größe besser, trenne ich auf und fange neu an.
Ich weiß, das ist für manche vielleicht abschreckend, aber unterm Strich ist es gut investierte Zeit.
Eine perfekte Passform beginnt oben und ist nicht zu unterschätzen.

Was ist, wenn auch die Reihen-Maschenprobe nicht passt?

Die Maschenzahl alleine ist es ja oft nicht, es passt dann durch eine andere Nadelstärke meistens auch die Reihenzahl nicht (nachfolgend ist immer von Reihen die Rede, auch wenn es Runden sein können).

Um auf Nummer sicher zu gehen, rechne ich mir die wichtigen Reihen der Anleitung zusammen.
In dem Fall alle Reihen, von der Setup-Reihe über die Reihen mit den Zunahmen mit allen Wiederholungen bis zum Punkt, wo die Ärmel abgeteilt werden.
Diese Zahl dividiere ich durch die eigentliche Reihenzahl und multipliziere sie mit meiner aktuellen.

Beispiel: Es sind bis zum Abteilen 62 Reihen. Die Reihenmaschenprobe der Anleitung ist 30, meine ist 32.

62 : 30 = 2,07
2,07 x 32 = 66 Reihen

Diese fehlenden 4 Reihen kann ich je nach Schnitt des Designs ausgleichen und zwar immer als Reihen/Runden ohne Zunahmen.
Im Fall vom Oktoberkind entweder gesamt vor dem Abteilen der Ärmel oder, was ein bisserl stimmiger wäre, gleichmäßig verteilt im letzten Drittel.
Das funktioniert genauso, wenn die Maschenprobe weniger Reihen ergibt. Dann die angegebenen Wiederholungen abkürzen.

Das Beispiel gilt für einen Raglanschnitt, geht aber natürlich genauso bei jeder Höhe, die für das Design wichtig ist, wie z.B. Armloch- und Ausschnitthöhe!

 

EINES NOCH ZUM SCHLUSS:

Immer funktioniert es nicht, das möchte ich noch dazu sagen!

Wenn die ursprüngliche Maschenprobe 22 M ist und meine nur 18 M hat, dann müsste ich auf eine kleinere Größe wechseln, weil ja weniger Maschen notwendig sind.
Bräuchte ich aber eine Größe S und es gibt nur eine darunter, wird’s eher nix.

Zusätzlich kann es auch vom Design abhängen.
Will ich ein Garn verstricken, das sich nicht nur in der Stärke (siehe oben mit den 18 M, das ja dicker ist), sondern auch in der Haptik dermaßen vom Originalen unterscheidet, kann das Endergebnis, was z.B. den fließenden Fall betrifft, möglicherweise anders sein, es im schlimmsten Fall verfälschen.

Und wie schon oben geschrieben, es nützt die ganze Rechnerei nix, wenn du für eine größere Größe zu wenig Garn hast.

Wie bei vielen Dingen, eine generelle Regel für alles gibt es nicht und ich habe mit meinen Beispielen sicher nicht alles und jedes abgedeckt.
Aber in sehr vielen Fällen kann man sich mit den oberen Möglichkeiten helfen.

Mein letzter Tipp ist jedenfalls : Einfach drübertrauen, es kann nix passieren, außer vielleicht auftrennen müssen. In jedem Fall ist es eine neue Erfahrung.





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